Redebeitrag des Demobündnis auf der Abschlusskundgebung

Abschlusskundgebung, 8.7.2017, ca. 16:30 Uhr

Madeleine Does (Recht auf Stadt) für das Demobündnis „Grenzenlose Solidarität statt G20“:

Moin Moin Hamburg! Salut mes amis! Hello my friends?” Ciao my amigi!

  • Ich erinnere mich noch, wie ich davon erfahren habe, dass der G20 Gipfel hierher nach Hamburg kommt. Es war genau in der Nacht im November 2015, als wir Hamburgerinnen erfahren haben, dass wir das Referendum gegen die Olympia-Bewerbung gewonnen haben. Ich lag schon quasi im Schlafanzug im Bett, doch  es trieb mich raus auf die Straße. Wir feierten in der Schanze.Wir feierten, dass diese Stadt uns gehört, den Menschen die hier leben. Der kommerzielle Wahnsinn Olympia, der auf unseren Rücken und auf unsere Kosten ausgetragen werden sollte, war abgewehrt. Doch dann nach dem fünften Astra ging das Gerücht rum „Jetzt kommt der G20-Gipfel!“
  • Unsere erste Reaktion war, meinen die das verdammt noch mal ernst? Die Versammlung der Verantwortlichen für das menschliche und soziale Desaster des globalen Kapitalismus, all die Dikatoren, die Kriegstreiber, die Waffenhändler, die Architekten der rassistischen Abschottung, der neoliberalen Sparpolitiker, die so viele ins Unglück gestürzt haben: hier bei uns, hier mitten in der Schanze?
  • Aber uns war sofort klar, dass wir diese Herausforderung annehmen werden. Wir wussten, dass alle unsere Freundinnen aus dem In- und Ausland kommen würden – und das wir gemeinsam gegen die kalte und grausame Welt der G20 aufstehen werden. Dass wir aufstehen würden gegen ihre Kriege und für einen echten Frieden, für eine Stadt und eine Welt, in der alle gut leben können, in der niemand auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken muss, in der unsere Solidarität keine Grenzen kennt.

Kurz: Wir wussten sofort, dass Hamburg einen Gipfel der Bewegungen, des Protestes und des Widerstands erleben wird – wir wussten, dass wir auch das schaffen!

  • Und jetzt stehe ich hier und kann sagen, wir haben es gerockt!  Noch vor wenigen Tagen hatten wir keine Schlafplätze für unsere internationalen Freunde und Freundinnen, wir haben unsere Wohnungen nicht erreichen können, waren Polizeikontrollen ausgeliefert, konnten keinen Kindergeburtstag feiern. Wir haben unsere Stadt im Ausnahmezustand erleben müssen: Police partout, justice nulle part – Überall Polizei und nirgendwo Gerechtigkeit!
  • Welch ein Wahnsinn: Verbote-Grote und die deutsche Bundeskanzlerin luden zu ihrem „Festival der Demokratie“ ein und es kamen die Demokratieverächter, die Kapitalisten und Rechtspopulisten nach Hamburg. Er rollte den roten Teppich für sie aus, räumt für Donald Trump das Gästehaus des Senats, aber für uns hatte er nicht mal eine Wiese zum Campen über. Wir sind  geblieben, wir haben uns nicht einschüchtern lassen, unser Mut ist mit jedem Tag gewachsen. Sie kamen mit Helikopter-Lärm und Polizei-Sirenen, wir antworteten mit Maßenkaraoke und Nachttanzdemos. Sie bauen Mauern, wir wollen Brücken bauen. Sie stärken und produzieren Rassismus, wir riefen die „free and solidarity city Hamburg aus“. Sie nahmen uns die Camp-Plätze, wir öffneten unsere Wohnungen, unsere Clubs, unsere Theater, unsere Vereine und zeigten selbst die Gastfreundschaft, die der Senat verweigerte. Sie schürten die Angst vor Repression und Verletzung, wir bildeten Banden und schlossen uns an den Händen fest zusammen. Sie setzten uns die blaue, rote und gelbe Zone vor die Nase, wir blockierten, fuhren und erstritten uns diese.
  • Sie reden die ganze Zeit über Gewalt. Aber die Gewalt der G20, die versammelte sich in den Messehallen nur ein paar hundert Meter von hier. Sie erschaffen die tödliche, die maßlose, entgrenzte Gewalt einer Welt voller Hungst, voller Kriege, voller Mauern und Grenzen. Aber hier auf diesem Platz ist unsere Welt, die Welt, die ihre ablösen wird: Die Welt der Grenzenlosen Solidarität!

Was bleibt jetzt?

Nachdem wir so viel aushalten mussten, nachdem wir gelernt haben zu streiten und doch wieder zusammen zu stehen? Nachdem wir uns gemeinsam gegen Kriminaliserung und Einschüchterung gewehrt haben?

Wir haben gelernt, rebellisch zu sein und in dieser Rebellion Hoffnung zu gewinnen. Wir haben gelernt, dass wir zusammen weniger allein sind. Wir haben gelernt, dass man Kekse, Isomatten und Zwiebeln überall reinschmuggeln kann. Wir haben gelernt, dass wir auch mit einem Getränk, wie den Mexikaner gegen Trump ein Zeichen setzen können. Wir haben  gezeigt, was die wahre Hamburger Linie ist: nämlich Mut, Widerborstigkeit und Solidarität.

Ihr Gipfel ist vorbei, doch wir nehmen die Erfahrungen der Solidarität und des Widerstands mit.

Wir in dieser, in unserer Stadt Hamburg sind gestärkt durch das gewonnene Vertrauen und unsere wiederentdeckte Widerborstigkeit. Wir machen weiter, mit mehr Menschen, mit gesteigerter Kraft. Gegen die kalte und grausame Welt des globalen Kapitalismus.

Für das Recht auf Stadt und eine Stadt für alle!

Für das Recht auf Welt und eine Welt für alle!

Unser Verlangen nach Frieden, nach globaler Gerechtigkeit und grenzenloser Solidarität  bleibt unüberhörbar!